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Ayurveda ist keine Checkliste! Mein Interview mit Volker Mehl


Ayurveda ist keine Checkliste - dieser Satz aus Volker Mehls Podcast hat in mir so ein starkes „Ja, danke, endlich!“ ausgelöst, dass ich beschlossen habe, ihn zu einem Interview einzuladen.


Die Ayurveda-Checkliste


Schon lange versuche ich zu vermitteln, dass Ayurveda mehr ist als einfach nur ein anderes System von Regeln als beispielsweise ketogene Ernährung oder Veganismus. Gerade von Anfängern wird die ayurvedische Lehre aber oft genau so verstanden:


  • Zunge schaben - Check

  • Wasser trinken - Check

  • Auf Toilette gehen - Check

  • Essenspausen - Check

  • Einmal im Monat Kitchadi-Kur-Tag - Check

Und wenn ich eine Panchakarma-Kur mache, dann bin ich fast schon heilig!


Abgesehen davon, dass diese Checkliste gar nicht für jeden optimal ist, geht es im Ayurveda um so viel mehr. Hier mein Report vom Interview mit Volker.


Die menschliche Suche nach Halt


Dennoch suchen viele Menschen dieses System von Regeln, diese Checkliste, einfach weil sie uns Halt gibt. „Die Leute wünschen sich jemanden, der ihnen sagt, wie Dinge funktionieren“, sagt Volker. „Es liegt anscheinend in der Natur des Menschen, dass alle ganz froh sind, wenn einer vorne steht und sagt, ich weiß wie es geht“.


Als Herdentiere finden wir Menschen es hilfreich, wenn jemand die Führung übernimmt, uns an die Hand nimmt und Entscheidungen für uns trifft. Gerade Entscheidungen sind sehr anstrengend

für uns.


Dabei ist das eine Art Teufelskreis: Wenn wir Entscheidungen herausschieben, kostet das uns noch mehr Energie!


Speisekarten mit nur zwei oder drei Auswahlmöglichkeiten beispielsweise haben die meisten Menschen lieber als riesige Karten mit einer Auswahl von zig Gerichten. Und am besten: Die Empfehlung des Kochs.


Es gibt, so Volker, „da draußen viele selbst ernannte Führungspersönlichkeiten, die eine Richtlinie vorgeben. Menschen fühlen dann, der hat Aura, der weiß, wie es geht, da latsche ich mal hinterher“.


Intrinsische Motivation


Ayurveda ist das Gegenteil. Da geht es um intrinsische Motivation! Es geht darum, den Blick von außen nach innen zu lenken. Nicht dem folgen, was mir laut äußeren Regeln gut tun sollte, sondern das tun, was ich als wirklich gut tuend erspüre. Volker betont:


Heilung kann nur von innen heraus geschehen, nicht von außen.

Wie kommen wir "nach innen"?


Ich fragte Volker, wie er die Menschen dazu bringt, von innen nach außen zu leben statt äußeren Regeln zu folgen. Wie kommen sie bei sich an, wie spüren sie, was gut tut?


Wie bei so vielem, so Volker, hilft hier eine "Entmystifizierung". Wir brauchen keinen großen Knall, und dann ist die Erleuchtung da. „Es gibt so viele kleine Erleuchtungs-Momente jeden Tag!“ Alleine unser Körper ist ein Wunder. Unser Herz schlägt täglich 20.000 mal, die Lunge, Leber und Niere tun unglaublich viel.


Dieser Artikel des Bundesverbandes für Medizintechnologie illustriert beeindruckend, welche Leistungen der Körper für uns täglich ausübt. Und die meisten Menschen merken es nicht einmal, wenn alles gut ist. Erst wenn etwas nicht mehr so gut läuft wie normalerweise.


Ruhe, Rückzug und Dankbarkeit


Wir dürfen schon morgens den Tag voller Dankbarkeit beginnen, regt Volker an. Es ist alles andere als selbstverständlich, hier zu sein, in unserem Körper, auf dieser Welt.


Ayurveda, genau wie andere Systeme, soll keine Leere in Dir füllen. Du brauchst nicht von einem Guru zum nächsten zu pilgern. Es geht stattdessen darum, zur Ruhe zu kommen und Dich zu spüren. „Den Seelengrund ergründen“, wie Meister Eckhard sagt.


Auch dazu brauchst Du nicht viel, und schon gar nicht von außen. Was am besten hilft, meint Volker, ist Ruhe. Rückzug. Ganz einfache Körperwahrnehmung. In seinen Yoga-Klassen lässt Volker die Teilnehmer erst einmal gerade hinstellen. Nichts weiter. Stehen, Haltung entwickeln. Und das auf den Alltag übertragen. Haltung zu sich selbst. Selbstakzeptanz, Selbstliebe.


Wohlfühlkapitalismus


Hier wende ich ein, dass genau das das Problem ist. Wir Menschen neigen zur Selbstoptimierung statt zur Selbstakzeptanz. Wir suchen uns Regelsysteme, die uns versprechen, bei Einhaltung wertvoller zu sein oder uns so zu fühlen.


Volker spricht von „Wohlfühlkapitalismus“. Es geht immer um „noch mehr“, auch in der Gesundheits-, Seelen-, Wellness- und Yoga-Branche. So viele Menschen wollen noch besser werden. Noch einen Workshop machen, noch "ayurvedischer" kochen, noch einen Retreat, noch öfter zum Yoga gehen.


Ayurveda kann man nicht kaufen


„Dein Leben wird nicht dadurch ayurvedisch, dass Du jeden Tag 10 Punkte abhakst und überall Curry drüber streust.“ Es hilft auch überhaupt nichts, so Volker, mal eine Ayurveda-Woche zu machen und dann wieder „normal“ zu werden.


Ayurveda beginnt nicht damit, sich 100 Gewürze zu kaufen, sondern genau mit dieser Dankbarkeit, mit der Verbundenheit mit dem Großen Ganzen. Und damit, dass man erkennt, ein wertvoller Teil dieses Großen Ganzen ist.


Weg von der medienwirksamen Mangelbilanz


„Der Ausgangspunkt sollte sein, nicht von einer Mangelbilanz auszugehen, sondern von Fülle“. Wenn wir uns selbst optimieren, kultivieren wir den Mangel. Das ist der Ansatz „was fehlt hier noch?“. Viel heilsamer ist der Ansatz, das zu entdecken, was bereits da ist. Du darfst Deine eigene Schatzkiste öffnen!


Der Schlüssel zu einem heilsamen Leben, so Volker, ist weniger statt mehr. Weniger machen, weniger herum rennen, weniger Dinge anhäufen. Mehr in die Fülle gehen, was die eigene Persönlichkeit angeht.


Alles perfekt?

Es ist aber gar nicht so einfach, sich selbst in seiner "normalen Menschlichkeit" gut zu finden bei der Art, wie in den Medien kommuniziert wird. „Facebook und Instagram sind an vielen Stellen Disneyland!“ Es wird uns suggeriert, dass außer uns selbst alle perfekt sind. Nur grandiose Sterneköche, nur perfekte Menschen. Normales Essen? Gibt es nicht mehr. Menschliche Gesichter werden stundenlang mit Apps optimiert.


Firewall aufbauen


Unsere Aufgabe ist es, eine Art „Firewall“ aufzubauen. Das steht und fällt mit dem Bewusstsein meiner eigenen Persönlichkeit. Eine Übung ist es, sich morgens vor den Spiegel zu stellen und zu sagen „Guten Morgen göttliches Geschenk, schön, dass Du da bist!“ Statt sich morgens direkt zu beschimpfen, wie schlecht man aussehe. "Keine Angst", meint Volker, "das Gaga-Gefühl geht vorbei."


Es geht um ein bewusstes Training, und das ist nicht einfach. Das braucht Zeit, Mut und Energie. Die Beziehung mit sich selbst zu pflegen, meint Volker, ist eine der anstrengendsten Aufgaben unseres Lebens. Jeden Tag Kontakt mit sich selbst zu suchen und ihn zu vertiefen.


Mut ist trainierbar


Wie finde ich täglich den Mut, ich selbst zu sein? Und vor allem, mich dafür jeden Tag zu entscheiden? Immer wieder? Dabei, so meine Meinung, helfen Routinen. Volker bestätigt.


Und auch Mut ist trainierbar. Es geht darum, täglich immer wieder und immer mehr andere Wege zu gehen. Auszuprobieren. Es gibt kein Pauschalrezept.

Jedoch ist auch hier der Fokus auf dem Positiven. Auf dem, was gelingen kann, und was erstehen kann. Nicht auf dem, was schief gehen könnte.


Warum Ayurveda?


Ich frage Volker, warum er seine Bücher, seine Kurse und seinen Podcast dem Thema Ayurveda widmet, und nicht irgendeinem anderen Thema.


Die Themen Heilung und Spiritualität waren ihm wichtig, erzählt Volker. Medizin lag ihm aber nicht so richtig, das Theologie-Studium überzeugte ihn auch nicht.


Als Volker auf Ayurveda stieß, hat es bei ihm "Klick gemacht". Ayurveda, so Volker, ist schlüssig und logisch, und es beinhaltet alle Facetten des menschlichen Daseins.


Ayurveda ist ganzheitlich und verbindet grob- und feinstoffliches.


Ayurveda wirkt - spürbar!


Die Schönheit und Klarheit des Ayurveda, da sind wir uns einig, sind umwerfend.

"Ayurveda ist kein verschwurbeltes Eso-Geschwätz, es überzeugt einfach!"


Menschen spüren relativ schnell, dass Ayurveda funktioniert. Warmes Wasser entlastet einfach jeden Darm, und Kurkuma ist nachweislich entzündungshemmend. Man muss nicht lange reden, man kann einfach ausprobieren.


Wie fange ich an?


Das Wichtigste ist die Intention, sich selbst etwas Gutes zu tun. Auszuprobieren, in sich hinein zu spüren und sich und die Natur zu erfahren. Ohne Checkliste. Womit sich der Kreis schließt.

Das GoodTaste-Magazin beschreibt Volker als

"Deutschlands angesagtesten Ayurveda Koch, Yoga Lehrer, Visionär, Küchenphilosoph und zweifachen Gewinner des Gourmand World Cookbook Award 2015 und 2016 in der Kategorie Best Indian Cuisine Book in Deutschland".


Nicht schlecht!


Eigentlich hat Volker angefangen Theologie zu studieren. Dann allerdings lernte er Ayurveda kennen. Er wurde Koch und Autor.

Mit mehr als 70.000 Buchverkäufen ist Volker einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Ayurveda-Autoren.


Danke für das Interview!

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