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Heißhunger? Die 6 Geschmacksrichtungen im Ayurveda [Teil 1]

Wie schmeckt Dir Dein Leben?

Bittere Erfahrungen, in den sauren Apfel beißen, süße Stunden zu zweit - Solche Ausdrücke zeigen: Wir verbinden mit dem Geschmack unserer Nahrung deutlich mehr als nur die Erfahrungen durch die Geschmacksknospen im Mund. Im Ayurveda wird jedoch noch viel mehr Wert und Bedeutung auf die Geschmacksrichtungen gelegt als in der westlichen Welt. Rasa, das Sanskrit-Wort für Geschmack, hat auch die Bedeutungen Erfahrung, Enthusiasmus, Saft und Essenz. Rasa Dhatu ist unser Blutplasma, aus dem laut ayurvedischer Lehre all unsere Gewebe und am Ende unsere Lebenskraft Ojas aufgebaut werden. Auf gewisse Weise sind wir also Rasa.


Auswirkungen auf unser ganzes Leben


Jedem Lebensmittel und auch jedem Heilmittel wie Ölen oder Kräutern werden im Ayurveda bestimmte Geschmacksrichtungen zugeordnet. Diese bestimmen zu großen Teilen die Wirkung einer jeden Substanz, und zwar nicht nur die direkte sinnliche Erfahrung, sondern die Wirkung auf unseren ganzen Körper, unsere Psyche, und am Ende auf unser ganzes Leben. Im Ayurveda gibt es sechs Geschmacksrichtungen:

In der Galerie siehst Du jeweils Beispiele für Lebensmittel mit den Geschmäckern süß, sauer, salzig, scharf, bitter und zusammenziehend. Mehr Beispiele kommen später.


Zusammenziehend?


Ja... Ich erkläre Dir die ersten drei Geschmacksrichtungen im Folgenden. Du wirst dann besser verstehen, warum Du manchmal solchen Heißhunger auf Süßes oder Salziges hast, und welche Geschmacksrichtungen Du vielleicht mehr in Deine Ernährung integrieren solltest. Ich beschreibe alle Charakteristika aus ayurvedischer Sicht.


Die anderen drei Geschmacksrichtungen lernst Du im nächsten Blogartikel kennen. Sonst ist es zu viel Info für heute. Es sind nämlich viele wertvolle Tipps für Dich dabei!


Süß wie die Liebe


Zucker, Honig, und süße Früchte sind süß - klar. Aber auch viele andere Lebensmittel. Wenn Du Deine Geschmacksknospen "trainierst" und lernst, alle Aromen Deiner Nahrung wahrzunehmen, wirst Du das selbst erkennen. Probier das mal aus!


Das nächste Mal, wenn Du beispielsweise Reis oder Brot isst, kaue das mal wirklich gut und spüre in Dich hinein:

  • Was nimmst Du wahr?

  • Welche Geschmäcker?

  • Welche Konsistenz?

  • Welche Temperatur?

Diese Übung empfehle ich jedem. Du lernst nicht nur Deine Nahrung, sondern auch Dich selbst besser kennen, und kannst besser spüren, was Dir wirklich schmeckt und gut tut. Und Du merkst, dass viel mehr Lebensmittel süß sind, als Du dachtest.

Die Geschmacksrichtung süß nehmen wir mit der Zungenspitze wahr. Vereinfacht kann man sagen:


Süß sind diejenigen Substanzen, die uns stärken.


Alle kohlendydrathaltigen Lebensmittel aus Getreide und Pseudogetreide wie Quinoa oder Amaranth sind süß, aber auch Öle und Fette und die Proteine aus Milch, Fleisch, Eiern und Hülsenfrüchten. Auch Gemüse kann den süßen Geschmack in sich tragen, beispielsweise Zucchini, Karotten und Oliven. Sogar Kräuter haben süße Noten: Minze, Fenchel, Basilikum, Safran und viele mehr.


Tatsächlich ist ungefähr 60-80% unserer Nahrung ayurvedisch "süß".


Und das ist auch gut so:


Für unseren Körper sind Substanzen mit süßer Geschmacksrichtung stärkend und nährend, sie stärken auch das Immunsystem und schenken uns Geschmeidigkeit. Haut und Haare, Wundheilung und all unsere Organe profitieren davon.


Unser Geist wird klar und kreativ, und unser Nervensystem beruhigt sich.


Die wichtigste Emotion, die mit dem süßen Geschmack verbunden wird, ist die Liebe. Süße Substanzen fördern aber auch Mitgefühl, Freude, Glück und Großzügigkeit.


Heißhunger auf Süßes


Mein Praxistipp: Wenn Du mal wieder unbändige Lust auf etwas Süßes hast, überleg mal, ob Du vielleicht etwas anderes brauchst! Vielleicht sehnst Du Dich nach ein paar lieben Worten, nach Gesellschaft oder nach einer Umarmung. Wenn das gerade verfügbar ist, super, ansonsten kannst Du Dich auch selbst ein bisschen massieren, zum Beispiel Deine Füße. Das ist eine der praktischsten Formen von gelebter Selbstliebe, wie ich finde. Am besten nimmst Du dazu ein gute Pflanzenöl, auch das wirkt nährend.


Gesunde Energie

Falls Du merkst, dass Du wirklich Energie in Form von Nahrung brauchst, ist das genauso valide. Ab und zu ein paar Süßigkeiten sind ok. Im Ayurveda ist nichts prinzipiell verboten. Achte einfach darauf, den Großteil Deines Süß-Hungers mit Obst, Nüssen oder anderen komplexen Kohlenhydraten zu stillen.


Zu viel Süßes?


Ein Zuviel vom süßen Geschmack kann kann dafür sorgen, dass Du Dich schwer und träge fühlst, ein langandauerndes Übermaß kann zu Übergewicht führen. Mental kann ein exzessiver Konsum der süßen Geschmacksrichtung nach der ayurvedischen Lehre ein zu starkes "Festhalten" an Personen oder Dingen verursachen.

Du musst Dich in der Regel nicht zurückhalten, solange Du auch die anderen Geschmacksrichtungen in Deine Nahrung integrierst. Jede von ihnen hat wichtige Aufgaben in Deinem Körper und Deiner Psyche, jede von ihnen brauchen wir.


Doshas und Elemente


Süß ist besonders gut geeignet für das Pitta und Vata Dosha. Die Geschmacksrichtung süß ist den Elementen Erde und Wasser zugeordnet. Sie schenkt uns in gestressten, verspannten, instabilen Zuständen Erdung, Geschmeidigkeit und Gelassenheit.


Sauer macht lustig!


Saures erkennen wir in der Regel relativ gut. Alles, was sauer schmeckt, hat die Geschmacksrichtung sauer. Manchmal nehmen wir das aber weniger stark wahr. Beispielsweise gehören auch Tomaten, saure Früchte wie Ananas und Trauben, gesäuerte Milchprodukte wie Butter, Käse und Joghurt zu dieser ayurvedischen Geschmacksrichtung,  außerdem Alkohol, Kohlensäure und fermentierte Lebensmittel.


Wo auf der Zunge schmeckst Du "sauer"? Im vorderen Bereich seitlich!


Saure Speisen stärken unsere Verdauung und regen den Speichelfluss, die Produktion von Verdauungsenzymen und den Appetit an. Saures stimuliert unseren gesamten Stoffwechsel, es ist wärmend und spendet Feuchtigkeit.


Sauer macht lustig


Aus ayurvedischer Sicht stimmt das, denn in Maßen erfrischen saure Substanzen unseren Geist und machen uns wach und klar, sie stärken unsere Konzentration und unsere Entscheidungsfähigkeit. Ein Zuviel davon kann uns überkritisch, neidisch und hasserfüllt machen: Wir werden "sauer"!


Übersäuert?


Im Körper führt ein Übermaß von sauren Substanzen zu Wassereinlagerungen und Entzündungen. Es kann Gärungsprozesse verursachen und dadurch die Verdauung stören. Häufig kommt es dann zu Durchfällen und Sodbrennen. Auch unser Blut und unsere Haut können gestört werden, und wir können überempfindlich auf Sinneseindrücke wie Licht und Lärm werden.


Achtung bei Hitze!

Ein ganz praktischer Tipp: Der "kühlende" Joghurt im Sommer ist höchstens in kleinen Mengen empfehlenswert. Zwar ist Joghurt kühl, wenn er aus dem Kühlschrank kommt, aber die enthaltene Säure verstärkt das Pitta Dosha, das bei Hitze sowieso vorherrscht. Dies wiederum führt zu den oben beschriebenen Symptomen. Viel besser eignet sich kühle Bio-Milch, Nussmilch oder ein Lassi. Hierfür mixt Du Joghurt mit etwa der gleichen Menge Wasser richtig schaumig. Am besten schmeckt es mit etwas Salz und Gewürzen wie Kardamom und Safran. Sehr gut passt auch frische Minze dazu! Die Bewegung und das Verdünnen machen den Joghurt leichter verträglich.


Doshas und Elemente


Für das Pitta Dosha ist Saures tatsächlich nur in kleinen Mengen empfehlenswert. Das gilt sowohl für Menschen mit Pitta-Konstitution als auch für Jahreszeiten und Situationen, in denen viel Pitta vorherrscht, wie beispielsweise im Sommer oder wenn Du gerade unter starkem Leistungsdruck leidest. Die Elemente, die dieser Geschmacksrichtung zugeordnet sind, sind Erde und Feuer - und vom Feuer hat das Pitta Dosha sowieso genug. Am besten geeignet sind saure Substanzen für das Vata Dosha, dem beide dieser Elemente fehlen. Sie gleichen die Trockenheit und Kälte aus, unter wir bei Vata-Überschuss häufig leiden. Kalte Füße, trockene Haut, Verspannungen, Ekzeme - in solchen Fällen dürfen wir gerne öfter zu Zitrusfrüchten oder fermentierten Speisen wie Sauerkraut greifen.


Eine Prise Salz


Salz wird heute häufig verteufelt - zu Unrecht! Zwar nehmen Menschen, die viele stark verarbeitete Nahrungsmittel wie Fertigpizza oder Gebäck konsumieren, oft zu viel Salz auf. Das liegt daran, dass in solchen Speisen große Mengen an Salz "versteckt" sind, um deren Geschmack zu verbessern. Wenn Du Dich aber weitgehend natürlich und gesund ernährst, darfst Du mit gutem Gewissen zu Salz greifen. Ein gesundes Maß an Salz ist förderlich, sogar lebensnotwendig. Früher war Salz tatsächlich Gold wert, man bezeichnete es sogar als "weißes Gold" und verwendete es als Zahlungsmittel. Der Begriff "Salär" für Lohn oder Gehalt stammt aus dieser Zeit.


Am besten Steinsalz

Bei Salz ist es wichtig, auf Qualität zu achten. Gutes Meersalz oder noch besser Steinsalz enthält viel mehr wertvolle Mineralien als Tafelsalz. Ein paar Cent mehr lohnen sich. Es muss nicht das hübsche rosa Steinsalz aus dem Himalaya sein, auch hier in Europa gibt es sehr hochwertiges Steinsalz, beispielsweise aus dem deutschen Zechsteinmeer.

Die Geschmacksrichtung "salzig" gibt es nicht nur in Salz, sondern auch in Seetang, Algen, Sellerie, Hüttenkäse und manchem Fleisch und Fisch, besonders Thunfisch.

Du schmeckst diesen Geschmack im hinteren Bereich der Zunge an den Außenseiten.


Salz erdet und befeuchtet

Auch die Geschmacksrichtung salzig fördert den Speichelfluss und unterstützt die Verdauung sowie die Aufnahme der Nahrung in unseren Geweben. Die Ausscheidung wird unterstützt, der Aufbau von Muskeln und die allgemeine Geschmeidigkeit Deines Körpers, in den Gelenken, Muskeln und Organen. Salz hilft bei Steifheit, Trockenheit und Verspannung.


Mental schenkt es Dir Stärke, Mut und gewisse "Erdung" - besonders hilfreich für "luftige" Vata-Typen. Es beruhigt das Nervensystem und hilft gegen Angst, Erschöpfung, Resignation, Mattigkeit und depressive Verstimmungen.


Salz und Sucht


Nicht nur die Lebensmittelindustrie hat erkannt, dass Salz ein Gefühl von "Ich will mehr" verursacht. Auch die ayurvedische Lehre warnt davor, dass ein Übermaß von salzigen Substanzen zu Gier und Sucht führen kann.


Elemente und Doshas


Auf körperlicher Ebene können Wassereinlagerungen und Schwellungen entstehen, und genau wie die westliche Medizin warnt auch Ayurveda vor Bluthochdruck aufgrund eines stark erhöhten Salzkonsums. Die assoziierten Elemente sind Wasser und Feuer. Pitta-Typen, bei denen diese Elemente am meisten vorherrschen, sollten sich am ehesten zurückhalten.


Noch zwei Praxistipps

  • Steinsalz ist deutlich weniger erhitzend als Meersalz und daher besonders für das Pitta Dosha besser geeignet. Ich wähle Steinsalz ohne Zusätze.

  • Ich kaufe Salz in Form von groben Körnern, fülle sie in eine Salzmühle und salze dann erst am Tisch je nach Bedarf. Sieht schön aus und ist ehe- bzw. familienfreundlich: Jeder nimmt so viel, wie er möchte und braucht.

Das war es für heute! Die anderen Geschmacksrichtungen findest Du hier! Während die heutigen drei eher aufbauend und nährend wirken, lernst Du in der nächsten Folge die "Detox"-Geschmacksrichtungen kennen. Bleib dran!

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Quellen:


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